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Vier historische Reminiszenzen aus dem Zugerland

Das Swisshotel Zug*** liegt nahe am historischen Städtchen «St. Andreas», heute ein Teil der Gemeinde Cham. Die Gegend am westlichen Ufer des Zugersees ? «Ennetsee» ? hat ihre eigene Geschichte. Hier ein kleiner Auszug:

Der Standort des Swisshotel Zug*** ist sehr geschichtsträchtig. Das am Zugersee anstossende Gebiet westlich des Lorzendeltas heisst auf Grund der Bodenbeschaffenheit «Sumpf». In der Steinzeit siedelten an diesem geschützten Platz in verschiedenen Etappen Pfahlbauer. ? In einer späteren Phase begannen die Bewohner etwas weiter westlich am Zugersee einfache Hütten zu bauen und den Boden zu bewirtschaften. ? Mehr über die Steinzeit am Zugersee erfahren Sie im Zuger Museum für Urgeschichte (Hofstrasse 15).

Condensed Milk

Anlieferung der Milch in Cham in der Milchsüdi, wie die Anglo-Swiss im Volksmund genannt wurde.
Milchmädchen, das Markenzeichen der Anglo-Swiss Condensed Milk Company

Das Swisshotel Zug*** liegt zwischen Zug und Cham. Die Gegend rund um den Zugersee war jahrhundertelang eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Die industrielle Entwicklung wurde eigentlich von aussen in die Gegend getragen.
   
Am 6. August 1866 wurde die Anglo-Swiss Condensed Milk Company gegründet. Doch wieso der relativ komplizierte Firmenname in Englisch um Schweizer Milch zu verkaufen? Gerade weil das Ziel die Vermarktung von Kondensmilch war, die im Kanton Zug hergestellt wurde war der Name ideal gewählt. Die Gründer hatten die Absicht dieses Erzeugnis insbesondere nach England zu exportieren, das die damalige Weltwirtschaft weitgehend beherrschte. 10 Jahre zuvor, 1856 wurde durch Gail Bordon in der USA das erste Unternehmen der Milchkonservenindustrie gegründet.
   
1874 übernahm die erfolgreiche Anglo-Swiss die English Condensed Milk Company in London. 1887 wurde die Fabrik in Cham mit grossen Käsereianlagen versehen. Käse ergänzte damit die bisherige Palette von vier Erzeugnissen: Kondensmilch, Kakao mit Milch und Schokolade mit Milch.

1905 fusionierte die Anglo Swiss mit der Nestlé S.A. in Vevey. Der neue Name war nun «Nestlé & Anglo Swiss Condensed Milk Co.» ? ab 1977 nur noch «Nestlé AG». Mit Pferdefuhrwerken wurde täglich bis zu 66?000 kg Milch aus rund 1?300 Bauernbetrieben der Regionen Zug, Freiamt und Knonau in die sogenannte «Südi» (Siederei) gebracht. Der Name deutet an, dass die Milch gesotten werden musste und so durch Wasserreduktion zur konservierbaren Kondensmilch werden konnte. In der Wirtschaftskrise 1932 stellte die Nestlé & Anglo Swiss jedoch den Betrieb ein. Das Produktionsgebäude an der Lorze wurde später zu einem Geschäftshaus umgebaut, worin sich seit 1994 auch das Spezialitäten-Restaurant «Milchsüdi» befindet. Im Backsteinhaus an der Zugerstrasse werden die Nestlé-Aktien verwaltet.

Das Schloss St. Andreas - Eine Festung am See

Das Schloss St. Andreas im heutigen Zustand von der Seeseite her gesehen. Durch die Bemühungen der Familie Page wurde die Umgebung als grosszügiger Park ausgebaut. Die ganze Anlage ist Privatbesitz.
Blick über die Halbinsel St. Andreas auf den Zugersee mit den Schwyzer Alpen ? links die seewärts vorgeschobenen Ablagerungen des Lorzendeltas, dahinter die Stadt Zug mit dem Zugerberg.

Die Halbinsel St. Andreas war im Mittelalter für den Verkehr bedeutsam. Hier war einer der vier Häfen am Zugersee ? neben Zug, Immensee und Arth. Das sumpfige Lorzendelta galt lange als unüberwindliches Hindernis, so dass der Weg von Zug her in Richtung Westen unweigerlich nach St. Andreas führte.
  
Im 14. Jahrhundert wurde die strategisch wichtige Burg St. Andreas zur Festung ausgebaut, landeinwärts wurde die Halbinsel mit einem Wassergraben versehen. Bis 1370 gehörte die Burg den Herren von Hünenberg. Wegen ihrer schlechten Vermögenslage mussten sie alle Güter verkaufen, so auch die Burg. Sie ging in den Besitz der Habsburger über, mit denen die Eidgenossen seit Jahrzehnten wegen ihren Rechten im Kriegszustand befanden. Zug trat 1352 dem Bund der Eidgenossen bei. Die Häfen von Arth und Schwyz waren bereits unter Kontrolle der Eidgenossen. St. Andreas der vierte und bedeutendste Hafen jedoch nicht. 1382 belagerten die Zuger die Festung umsonst. Erst vier Jahre später, 1386, konnte sie mit Hilfe der Schwyzer eingenommen werden. Dies ereignete sich im Zusammenhang mit der darauf folgenden Schlacht bei Sempach, in der die Herrschaft der Habsburger über ihren südlichen «Aargau» abnahm. Dadurch sank auch die Bedeutung der Festung St. Andreas.
  
Während der folgenden Jahrhunderte wechselte sie mehrmals ihren Besitzer. Die 1775 durch den Zuger Landschreiber Franz Fidel Landtwing geschaffene Fideikommission geriet bald in so hohe finanzielle Bedrängnis, dass sie die Anlage aufgeben musste.

Während der Besetzung der Schweiz durch die Franzosen (1798?1815) wurde das Schloss als Pferdestall und Gefangenenlager missbraucht. Der Zerfall schien kaum mehr aufzuhalten. Das Schloss wurde nahezu unbewohnbar. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Bewohnbarkeit durch den neuen Besitzer, Architekt und Oberstdivisionär Victor von Segesser, wieder hergestellt. Er starb 1900.
  
1903 kaufte Adelheid Page-Schwerzmann ? Witwe des Begründers der Kondensmilch-Fabrikation in Cham, des Amerikaners George Ham Page, die Schlossanlage St. Andreas. Kapelle und Kaplanei gingen in den Besitz der Katholischen Kirchgemeinde Cham-Hünenberg über. Den westlich gelegenen Hirsgarten (öffentliche Badeanstalt) erhielt die Einwohnergemeinde Cham. Schloss und Park samt Nebengebäuden sind heute Privatbesitz einer Erbengemeinschaft aus der Familie von Schulthess Rechberg.

Die Strassen nach Santiago - Die St. Jakobs-Pilger

Holzschnitt aus dem mittelalterlichen Buch «Die Strassen und Meilen zu St. Jakob» von Hermann Künig von Vach. Der Jakobspilger ist an zwei Symbolen erkennbar: Muschel und gekreuzte Krücken (die Jakobsstatue an der Westfassade der Chamer Kirche hat die gleichen Embleme).
Moderner Jakobs-Brunnen südlich neben der gleichnamigen Kirche in Cham.
Ölgemälde der Kirche St. Jakobus auf dem Kirchbühl von J. Rast 1894.
 

Die Kirche in Cham trägt spätestens seit dem 14. Dezember 1500 (Kirchweihe) den Namen des Apostels Jakobus des Älteren. Zweiffelos stand an der gleichen Stelle schon vorher eine Kirche, die jedoch nie namentlich erwähnt wurde. Die Namensgebung weist auf einen in Europa weit verbreiteten religiösen Brauch hin.

Im Mittelalter kamen die Gebeine des Apostels Jakobus zu Schiff nach Galizien an die Norwestküste Spaniens, wo sehr bald ein Wallfahrtsziel entstand, das im 15. Jahrhundert den Höhepunkt an Bedeutung fand: Santiago di Compostela.

Auf den «Strassen nach St. Jakob» ? Aus ganz Europa machte sich Arm und Reich auf, um das Grab zu besuchen, nicht selten auch, um ein Gelübde nach einer Gebetserhöhrung einzulösen, oder auch, um für sich selbst oder einen Angehörigen Heilung von einer Krankheit zu erflehen ? meistens waren es Beinleiden. Ganz bestimmte Routen der Jakobs-Pilger gibt es eigentlich, sie gingen ? zu Fuss, zu Pferd oder abschnittweise auch mit dem Schiff ? auf allen Handels- und Reisewegen Europas.

Cham war seit langem ein wichtiger Ort für den Verkehr, hier kreuzten sich die Wege. Für den Warentransport, aber auch zum Teil für die Beförderung von Personen, wurden so weit wie möglich die Seen und Flüsse genutzt, ausserdem natürliche Erosionen, meistens Hohlwege Wälder. Viele heute bekannte Landwege gab es früher nicht wegen unüberwindbar erscheinenden Naturgegebenheiten: Moore und Sümpfe.

Von Knonau her führte eine Strasse via Cham nach Luzern. Reisende aus dem Norden kamen oft mit dem Schiff auf der Reuss und gingen bei Sins im Oberen Freiamt an Land, dann durch einen Hohlweg hinauf zur Zollstation St. Wolfgang dann weiter nach Cham. Hier war ein wichtiger Hafen für die Weiterfahrt nach Zug, Arth und Immensee ? Landbrücke zum Vierwaldstättersee, benutzt für die Weiterreise nach Luzern, Buochs, Stansstad und Rotzloch (alter Landungssteg für die Reise in Richtung Brünig und weiter nach Italien.

Die Jakobs-Pilger kamen nun von Zürich her über den Albis, reisten von Norden her zur Zwischenstation Cham. Ein grosser Teil der Pilger aus dem Norden und Osten besuchte jedoch zuerst den Wallfahrtsort Einsiedeln. Der kürzeste Weg von hier aus scheint aus heutiger Sicht via Rothenturm und Sattel nach Süden zu führen. Je nach Jahreszeit war das Hochmoor zu feucht und darum nicht gut passierbar, zudem drohte Steinschlag in den abschüssigen Gebieten. Deshalb gingen die Pilger meistens über den Raten zum Ägerisee und dann über den alten Saumweg nach Zug oder durch die «Höll» (Lorzentobel) nach Baar und in einem weiten Bogen um das sumpfige Lorzendelta herum nach Cham. Wer ohnehin wenig Geld hatte, benutzte nur die Landwege.

Wer ein wenig komfortabler reisen wollte und es sich leisten konnte, bestieg in Zug ein Schiff in Richtung Immensee oder eben Cham.

Bruder Klaus alias Niklaus von Flüe (1417-1487)

Der in der Schweiz als Nationalheilige verehrte Einsiedler Bruder Klaus hatte auch eine besondere Beziehung zur Stadt Zug. 1481 spendete er für den Bau der Kirche St. Oswald einen Goldgulden (damals ein beachtlicher Wert). Hat die wahrscheinlich reichste Kirchgemeinde der Welt heute auch etwas übrig für Bruder Klaus?

Niklaus von Flüe nahm am 16. Oktober 1467 Abschied von seiner Ehefrau, seiner Familie und dem Bauernhof, in der Absicht, als Pilger durch Europa zu wandern, vermutlich auch mit dem Ziel Santiago de Compostela in Nordspanien. So zog er über den Brünig, besuchte die Höhlen St. Beat über dem Thunersee und anschliessend einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Schweiz, Büren an der Aare. Über den Oberen Hauenstein gelangte er schliesslich nach Waldensburg (Basel-Land). Ein inneres Erlebnis veranlasste ihn hier aber, unverzüglich wieder in seine Heimat zurückzukehren. Von nun an war die Melchaaschlucht sein Zuhause. Seine Landsleute bauten ihm bald eine Klause im Ranft, wenige Gehminuten vom Haus seiner Familie entfernt. Von nun an wurde er Bruder Klaus genannt.

Bruder Klaus hat einen bedeutenden Ruf als Friedensstifter. In einem Brief an die Stadt Bern gibt er zum Ausdruck: «Der Friede ist immer in Gott, denn Gott ist der Friede. Der Friede kann nicht zerstört werden. Unfriede aber wird zerstört.»